Besuch im Landtag Baden-Württemberg
Abgeordnete der verschiedenen Parteien laden von Zeit zu Zeit Bürger zu einem Besuch im jeweiligen Parlament ein. Auf Einladung der Abgeordneten Dr. Susanne Aschhoff (Grüne) aus ihrem Wahlkreisbüro Mannheim I (Nord) an die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit Rhein-Neckar e.V., deren Büro sich in Mannheim-Neckarstadt befindet, haben meine Frau Claudia und ich am 04. Februar 2026 an solch einem Termin teilgenommen. Zum Programm der Landtagsfahrt gehörten nach einer gemeinsamen Anreise per Eisenbahn eine Führung durch den Landtag, die sich eher als routiniert gehaltener Vortrag darstellte, als einen Rundgang, die Teilnahme an einer Plenardebatte im Landtag auf den Besucher-Plätzen, ein Austausch mit der Abgeordneten und anschließend ein Besuch im Haus der Geschichte. Ach so, weil sich manche nur für Häppchen interessieren: die gab es auch in vegetarisch / vegan.

Tags darauf kam es gemäß Tagesschau zu einem größeren Stromausfall in Stuttgart: „Im Stadtgebiet von Stuttgart hat es einen größeren Stromausfall gegeben. Dieser dauerte nur kurz. Doch es gab spürbare Auswirkungen“. Damit hatten wir somit kein Problem.

In der genannten Plenarsitzung gab es für Claudia und mich die beiden Stellflächen für Rollstühle („Müssen Sie den Rollator mit rein nehmen?“, die Fragesteller halten die Frage für angebrachter, als die Gefragten es tun), von denen man bei der aktuellen Sitzordnung insbesondere die Plätze der Abgeordneten von AfD, CDU und FDP/DVP sowie einen Teil der Grünen und das Rednerpult, die Regierungsbank und die Landtagspräsidentin sowie die Stenografen und Schriftführer sehen konnte. Während des Beifalls für ihre Redner waren auch die Abgeordneten der SPD hörbar.
Welche für die Bürger so wichtige Frage bei der 140. Sitzung des Landtags von Baden-Württemberg als erster Punkt auf der Tagesordnung stand?

„Aktuelle Debatte - Der Wolf im Schafspelz - Cem Özdemir versteckt, dass er ein Grüner ist. Auswirkungen dieses Verhaltens auf die Arbeit der aktuellen Landesregierung - beantragt von der Fraktion der FDP/DVP“ (10:00 bis 11:15 Uhr) war dieser erste Punkt auf der Tagesordnung. Für mich jedenfalls wurde aus den Redebeiträgen nicht deutlich, wieso das überhaupt und wieso es an dieser Stelle thematisiert wurde. Vielleicht war das auch davon bestimmt: Die nächste Landtagswahl findet am 8. März 2026 statt. Eine andere Bürgerin verwendet das Wort Kindergarten. Wie auch immer, ich hätte eher das Thema „Aktuelle Debatte - wieso meine Fraktion und ich nicht mehr für Barrierefreiheit und Inklusion unternommen haben“ mit entsprechender Redezeit für alle Fraktionen eingebracht. Aber mich fragt da ja keiner. Auch das hätte bei Wählern einen Eindruck bringen können, was sie nach der kommenden Wahl erwartet.

Im Haus der Geschichte Baden-Württemberg gab es eine Führung auch durch die kleine Sonderausstellung Wahlkampf radikal: Wie die Bundesrepublik gegen den Extremismus vorging, die sich mit Landtagswahlkämpfen in Baden-Württemberg bis 2001 beschäftigt. Nein, es geht nicht um die jüngere Vergangenheit und Gegenwart. Bei SWR Kultur (Artikel vom 17. November 2025) wird die Museums-Direktorin mit den Worten „Sie sehen, wie Parteien Wahlkampf machen: viel Text, Flugblätter, zum Teil Zeitschriften acht Seiten dick, in denen man sein Programm ausbreitet. Oder ganz knapp mit Slogans“ zitiert. Es geht auch um die ersten Werbespots und das beginnende Internet-Zeitalter.
Wie stand es um die Barrierefreiheit? Die Anreise bis Mannheim Hauptbahnhof erfolgte mit der Straßenbahn ohne Besonderheiten. Für die Reise per Eisenbahn waren Fahrkarte und Reservierung für den ICE und die Anmeldung der Ein- und Ausstiegshilfe mit Hubliften lange vorab erledigt worden. Um 07:16 Uhr erreichte mich eine „Wichtige Information zu Ihren angemeldeten Hilfeleistungen am heutigen Tag“ mit dem Inhalt „... wir haben die Rückmeldung erhalten, dass der ICE 571 heute zwischen Mannheim Hbf und Stuttgart Hbf ausfällt...“ Wir waren da aber schon auf dem Vorplatz des Mannheimer Hauptbahnhofs eingetroffen. An der DB Information waren keine Besonderheiten für den gebuchten Zug bekannt. Um 07:46 Uhr kam eine weitere Nachricht: „Ihre Abfahrt mit ICE 571 von Mannheim Hbf nach Stuttgart Hbf verspätet sich um 5 Minuten“. Effektiv traf die zweite Mail zu. Gut, daß man informiert wird.


Der Einstieg erfolgte mittels des Rollstuhl-Hublifts auf dem Bahnsteig, nicht mit dem im Zug eingebauten, vorhandenen Rollstuhl-Hublift. Das gilt für alle Ein- und Ausstiege in Züge des Fernverkehrs auf dieser Reise. Die Reise erfolgte für uns auf den reservierten Sitzen beim Rollstuhlplatz, die bei unserem Eintreffen belegt waren und unverzüglich für uns frei gegeben wurden. Die restliche Reisegruppe befand sich in einem anderen Wagen, allerdings wurden wir besucht. Die Universaltoilette im Zug war die ganze Zeit über nicht benutzbar, weil eine ungepflegt wirkende Person dort die Fahrt verbrachte. Dafür stand in der Behindertentoilette in Stuttgart Hauptbahnhof ein Transportwagen mit Toilettenpapier an der Stelle, die für ein Umsetzen aus dem Rollstuhl auf das WC-Becken vorgesehen sein sollte. Immerhin war es diesmal keine Europalette, die sich nicht so einfach verschieben läßt. Die Reisegruppe legte den Weg zum Landtag als Fußweg zurück. Auffällig waren zusammenhanglos vorhandene Teile eines taktilen Bodenleitsystems, auffällig für die, die auf dergleichen achten. Mir ist es inzwischen ein Rätsel, wie man sich auf solche Systeme verlassen können soll. Auf dem Weg bot sich im Rollstuhl immer wieder mal ein kleiner Umweg an, damit der Rücken durch den Bodenbelag nicht unnötig erschüttert wird. Im Landtag hab es einen Aufzug zum Zuschauerbereich und dort an dem von mir genutzten Zugang maximal zwei Plätze für Menschen im Rollstuhl. Die Behindertentoilette bei der Garderobe war besser als durchschnittlich, jedoch nicht ganz normgerecht und bot Ansätze für kostengünstige Verbesserungen, wenn denn jemand danach fragen würde. Was wohl bisher nicht geschah. Das Gespräch mit der Abgeordneten fand im benachbarten Gebäudekomplex statt, der über einen Tunnel erreicht wurde. Der wäre für Blinde mit Blindenstock nicht gefahrlos eigenständig nutzbar, denn Kunst an der Wand ragte in den Raum und war für eine Orientierung mit dem Langstock an der Wand entlang im Weg. Nichts gegen diese Kunst, doch einen taktilen Leitstreifen in der Mitte des Gangs als Ausgleich gab es auch nicht, daher ja meine Einschätzung. Der Sitzungssaal (Lina-Hähnle-Saal) der Fraktion war von der Bestuhlung her nicht für Menschen im Rollstuhl ausgelegt. Die schon erwähnten Häppchen selbst auswählen und holen hätte das Verlassen des Raums durch eine Tür und die Nutzung der anderen Tür erfordert. Menschen mit Behinderungen scheinen allgemein in den Parlamenten unterrepräsentiert zu sein, sonst hätte das anders ausgesehen, nicht nur in diesem Landtag.
Der Weg zum Haus der Geschichte war wieder ein kurzer Fußweg. Auch dort gab es einen Aufzug, wenn auch in recht kleiner Aufführung. Claudia mit ihrem Rollator und ich im Rollstuhl mußten getrennt fahren. Auch im Haus der Geschichte gab es eine mit einem Rollstuhl-Symbol gekennzeichnete Toilette. Der Taster für die Türöffnung neben der Toilettentür gehörte übrigens zu einer anderen Tür nur für Personal, wie ich nach dem Druck auf den Taster bemerkte. Der Rückweg zum Hauptbahnhof war wieder ein Fußweg.

Da für den für die Reisegruppe gebuchten Zug eine deutliche Verspätung angekündigt wurde, kam es nicht zu einer gemeinsamen Rückfahrt im gleichen Zug. Die erste von mehreren diesbezüglichen Mails lautete „Ihre Abfahrt mit ICE 118 von Stuttgart Hbf nach Mannheim Hbf verspätet sich um 56 Minuten“. Meine Frau und ich hatten ja reservierte Plätze im verspäteten Zug und wir konnten den früheren Zug nicht wie die anderen aus der Gruppe erreichen. So standen wir eine Weile neben dem nicht erreichbaren Zug am Bahnsteig und verfolgten seine Abfahrt. In unserem verspäteten Zug war die Universaltoilette nicht benutzbar, wie uns beim Einstieg mitgeteilt wurde. Der Blick in zwei unterschiedliche Apps ergab: die wissen auch nicht alles und so sieht es auch besser aus, wenn auch nicht für die Betroffenen.
Zum Abschluß des Artikels hier noch ein Gruppen-Foto von der Veranstaltung, das von der einladenden Stelle, dem Wahlkreisbüro Mannheim I (Nord) von Frau Dr. Susanne Aschhoff MdL zur Verfügung gestellt wurde:

Zum Selbst-Lesen:
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Tagesordnung der 140. Sitzung des Landtags Baden-Württemberg mit Aktuelle Debatte - Der Wolf im Schafspelz als PDF-Datei siehe: https://www.landtag-bw.de.
Pressemitteilungen vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg zur genannten Ausstellung: https://www.hdgbw.de. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg ist eine Einrichtung des Landes Baden-Württemberg.
Über die Landespolitik in Baden-Württemberg und den Landtag von Baden-Württemberg informiert die Seite https://www.landespolitik-bw.de der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.
Artikel auf Wikipedia zu der Frau, nach der der erwähnte Sitzungssaal benannt ist: der auch als Deutsche Vogelmutter bekannten Lina Hähnle.
(bk, zuletzt geändert 2026-02-06)